I can Super Gut Englisch!
Irish breakfast
Yes. Schon am ersten Morgen komme ich auf meine Kosten. Es gibt das „kontinentale Frühstück“ vom Büffet. Aber man kann auch warmes, irisches Frühstück bestellen und das wird dann von einer netten irischen Lady serviert. Als sie das „mini irish fried“ vor mir abstellt (scrambled eggs, beans in tomato sauce and sausages with toast), sagt sie noch „Be careful: the plate is very very hot!“ Amüsiert sehe ich sie an. Dieser Satz hat sich uns schon damals schon eingeprägt und ist zum geflügelten Wort bei uns geworden. Auch in diesem Urlaub wird er sich wieder mantra-artig bei uns festsetzen. Ritter Robert genießt das scrambled egg with salmon. Die Buffet-erfahrenen Kinder flitzen zwischen Tisch und Buffet hin und her und laden sich die Teller voll mit süßen Teilchen.


Heute wollen wir so wenig wie möglich Auto fahren und erkunden den nächsten Ort, Athy. Viel abbröckelnder Putz und zugeklappte Fensterläden lassen vermuten, dass der Tourismus hier vielleicht nicht gerade boomt. Dennoch wartet der kleine Ort mit einer hübschen Schnitzeljagd für seine Besucher auf. Für uns die perfekte Methode um kurze Kinderbeine am Laufen zu halten. Schnell sind Ehrgeiz und Neugier geweckt und die kleinen Entdecker rennen von Station zu Station und suchen die versteckten Hinweise. Ich komme kaum hinterher die Geschichten zu jeder Station vorzulesen. Wir erfahren etwas über die typisch irischen Symbole wie die Farben der Flagge, die Harfe und das Kleeblatt. Das Kreuz mit dem Ring dagegen geht auf keltische Ursprünge zurück. Beeindruckend ist auch, dass es im Ort eine Burg mit Ursprüngen im frühen 15. Jahrhundert gibt. Wir erfahren, dass Ernest Shackelton, der berühmte Antarktis-Entdecker, Sohn der Stadt ist. Die Geschichte über die spektakuläre Seerettung seiner einst verunglückten Crew klingt spannend. Ich nehme mir vor, zu Hause ein Buch darüber zu suchen.


Am zentralen Platz steht ein Denkmal, dass an die Rebellion von 1789 erinnert, the uprising. In besagten Netflixserien haben wir schon viel erfahren über die kriegerischen Auseinandersetzungen um die Britischen Inseln. Ursprünglich von den Kelten besiedelt, kämpften später die „Nordmänner“ mit den englischen Christen um die Insel. Später folgten die Befreiungskriege und Revolutionen der Iren um sich von der Englischen Besatzung zu befreien (wie auch in Schottland) und unabhängig zu werden [Ich verwende das Wort Besatzung hier ganz allgemein um zu beschreiben, dass es über Jahrhunderte hinweg Konflikte zwischen der Einheimischen Bevölkerung und der Englischen Regierung gab.] Auch wenn nicht alle historischen Details in den Serien stimmen mögen, der emotionale Ton ist gesetzt. Wieder und wieder gab es so viel Verbitterung und Blutvergießen auf beiden Seiten. Es ist bewegend nun ein echtes Zeugnis dieser Konflikte zu sehen und zu spüren, dass die Freiheitskämpfe bis heute in der Bevölkerung unvergessen sind.

Entlang des Flusses Barrow und den Kanälen folgen wir weiteren Spuren der Geschichte Irlands. Der Abenteurer Frodo hat die Gelegenheit seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: zu schauen was so kreucht und fleucht und im Wasser schwimmt. Alle Menschen, denen wir entgegenkommen, haben einen offenen, wachen Blick und grüßen freundlich. Der ein oder andere bleibt auch mal stehen für ein Schwätzchen und erkundigt sich, was wir fotografieren, was wir uns noch ansehen wollen. „Warum könnt ihr die Sprache von den Irländern so gut?“, fragt die kleine Elfe mit einem Schmollmund. Wir erklären, dass es Englisch ist und wir das ganz gut können. Tatsächlich sind wir froh, dass wir die Iren bisher gut verstehen und auch wir verstanden werden. Nur wenn sehr schnell gesprochen wird, gehen ganze Satzteile für uns verloren. Wir überlegen, welche englischen Wörter die Elfe schon kennt. „I can super gut Englisch!“, wirft der Abenteurer Frodo noch selbstbewusst ein.

Wieder auf der Hauptstraße, wird mein Blick von einem Schaufenster angezogen. Eine lokale Künstlerin stellt ihre Zeichnungen von der heimischen Flora aus. Ich will uns in den Laden hineinschieben. Ich denke, viel Laufkundschaft bekommt die Künstlerin nicht, denn sie muss erst aufschließen. Geduldig lässt sie uns alles betrachten. Wir kaufen einige Motive in Grußkarten- Format. Ritter Robert informiert sich bei ihr nach der irischen Sprache. Auf den Straßenschildern sehen wir überall eine englische und eine irische bzw. gälische Aufschrift. Die Malerin berichtet, dass nur noch wenige Menschen das Irische tatsächlich sprechen, dass es beinahe ausgestorben ist. Sie geht kurz auf die Geschichte ein und sagt so etwas wie „Willst du eine Kultur unterdrücken, musst du ihr die Sprache nehmen“. Das zuvor etwas graue Gesicht hat inzwischen etwas Farbe und Lebendigkeit bekommen. Oder ist nun auch etwas Emotionalität dabei? Sie interessiert sich auch dafür, wo wir herkommen und vermutet, dass alle Deutschen mehrere Fremdsprachen sprechen. Diese Ansicht korrigieren wir etwas. Zum Abschied sagt sie „Go raibh maith agat“. Das heißt danke. Nicht die einfachste Sprache.


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