
Den Irland- Urlaub hatte ich mir vor allem als Wanderurlaub vorgestellt. Am zweiten Urlaubstag schnüren wir also unsere Wanderschuhe und fahren nördlich ins County Wicklow. Eigentlich hätten wir gern den pitturesken Glendalough in den Wicklow Mountains besucht. Doch das würde eine Stunde Anfahrt bedeuten. Das Autofahren erfahren wir bisher als ziemlich anstrengend. Natürlich gibt es moderne Autobahnen und gut unterhaltene Landstraßen in Irland, die durch eine endlose Zahl an Kreisverkehren, round abouts, miteinander verbunden sind. Zusätzlich gibt es kleine Straßen, die für Abkürzungen sorgen. Diese mag unser Navi scheinbar am liebsten. Mehrmals schickt es uns über diese schmalen Straßen. Bei Gegenverkehr, der allerdings selten ist, müssen wir uns tief in die Hecken kuscheln. Dann ist Ritter Robert froh, dass wir nicht mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Für ein Wohnmobil würde es hier streckenweise wirklich eng werden. Ritter Robert erstaunt sich über die kilometerlang durchgehenden Hecken, welche Weiden, Felder und Grundstücke umsäumen. Nur ab und zu gibt eine Einfahrt einen kurzen Blick auf ein schickes Anwesen oder einen Bauernhof frei. Die hohen Hecken nehmen leider auch die Sicht und so haben wir eigentlich noch gar nicht viel von Irland gesehen. Jedenfalls fordern uns die unbekannten Strecken ohne Weitsicht auf nahenden Verkehr auch viel Konzentration ab. So entscheiden wir uns „nur“ den Lough Liffy anzusehen, der mit 30 Minuten Autofahrt für uns erreichbar ist.


Wir werden nicht enttäuscht. Wir beginnen den Ausflug auf einem Aussichtspunkt oberhalb des Gewässers. Wolkenschatten ziehen über sanfte grüne Hügel, je später der Tag wird, desto mehr ziehen die Wolken ab und wir können in die Höhe und in die Ferne schauen. Wir folgen einem Abschnitt des Blessington Greenway Trail und kommen an einen kleinen Uferstrand, wo wir ein Stündchen verweilen. Wenn ich den Kindern so bei ihrem selbstvergessenen Spiel in der Natur zu sehe, frage ich mich manchmal, ob in der Kindheit die Menschheitsgeschichte noch einmal im Schnelldurchlauf abgespielt wird. Das Suchen nach „Werkzeug“ in der Natur, das Sammeln von allem, was die Natur hergibt zum „Kochen“, das Abgrenzen von Flächen zum Anbauen und das Bauen einer bleibenden „Behausung“. Mit dem Schuleintritt und der vielen Zeit drinnen und im Sitzen geht dieser Bezug für viele Kinder wahrscheinlich mehr und mehr verloren.


Wir folgen dem trail noch ein Stück weiter. Der Boden ist feucht um den See, die Bäume stark bemoost. Die Brombeere hat auch hier das Unterholz flächenmäßig voll im Griff. Die Kinder quasseln über gemeinsame Schulerlebnisse von kurz vor den Ferien, wir Erwachsenen erinnern uns an Erlebnisse von der Arbeit. Nur langsam lassen wir den Alltag los. Wir sind nun eine Runde gelaufen und kommen wieder am Auto an.


Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir einen Zwischenstopp in einem Einkaufsdorf. Hier gibt es nur Designer- Outlet- Läden. Nach Eiscreme aus Dingle (für Ritter Robert Geschmack Chocolate – Whiskey) heißt es shop till you drop. Es macht Spaß ohne Erledigungsdruck als Familie gemeinsam einkaufen zu gehen und sich in den Umkleidekabinen zu beraten, was dem anderen steht und was nicht. Jeder von uns ersteht ein paar Teile für den Alltag und etwas Schickes. Ich würde sagen: der perfekte Urlaubstag.

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