Quer durch das Land in den „subtropischen“ Südwesten Irlands
Nach zwei Tagen ankommen und verwöhnen lassen im Hotel fahren wir heute weiter zu unserer ersten Ferienwohnung im Südwesten des Landes. Bei strömendem Regen verladen wir unser Gepäck wieder ins Auto. Bye Bye Alpakas, bye bye County Kildare. Du hättest noch viel mehr zu bieten gehabt für einige Tage Familienurlaub.
Die Kinder stöhnen, weil sie mehrere Stunden Autofahrt vor sich haben. Auch ich bin angespannt. Das Navi schätzt 4,5 Stunden Fahrzeit insgesamt, also gefühlte 8 Stunden. Wie wir denn von hier endlich zu Omi kämen, fragt sich die kleine Elfe. „In den Urlaub fahren“ und „zur Omi fahren“ ist bei uns oft das gleiche. Die Elfe hat noch kein Zeitgefühl für zwei Wochen Urlaub. Wir erklären nochmal den Ablauf: noch zwei Wochen Urlaub in Irland, dann nach Hause fliegen und „erst später diesen Sommer“ zu Omi. Ganz glücklich ist sie mit der Erklärung nicht.

Wir nutzen so viel wie möglich die Autobahnen und kommen gut durch an diesem Tag. Ich traue mich heute auch mal hinters Steuer (rechts!). Auf der Autobahn ist der Linksverkehr einfacher zu handhaben. Autos und LKW (linke Spur!) fahren in lockeren Abständen zueinander. Da macht mir die alte Gangschaltung (links!) in den vielen Kreisverkehren auf der Landstraße schon mehr zu schaffen.



Lange Fahrtage überstehen wir meist ganz gut mit einer langen Pause nach der Hälfte der Zeit für eine warme Mahlzeit und Bewegung. Wie praktisch, dass Castle Cahir genau an unserer Strecke liegt. Es ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen Irlands. Sie war schon Kulisse für viele Epochenfilme (u.a. „Excalibur“ in den 80ern und zuletzt „The Last Duel“ aus 2021). An die Burg grenzt ein hübscher Park, in dem wir unsere mitgebrachten Snacks essen und die Kinder schon mal etwas Energie loswerden können. Danach zahlen wir den Eintritt zur Burg und besichtigen sie von innen.



Ein Miniaturmodel zeigt das Leben im Schloss und die Truppenbewegungen, als es im 16. Jahrhundert belagert wurde. Wir versuchen den Kindern das Leben von damals näher zu bringen. Wie immer finden sie „den Kerker“ und „das Klo“ am interessantesten. Auf den steilen Steinwendeltreppen bekommen wir auf jeden Fall unsere Bewegungseinheit für heute. Die Kinder toben durch die spärlich eingerichteten Hallen. Trotz ihres Kinder-Wissens über Ritter und Burgen: was daran jetzt besonderes sein soll, dass in genau dieser Banquet Hall 700 Jahre lang über Krieg und Frieden entschieden wurde, ist für den Kinderkopf noch zu abstrakt. Auf den Schautafeln sind die Unabhängigkeitskriege Irlands bis ins 20. Jahrhundert ausführlich dargestellt. Menschen irischer Abstammung, die ihr Leben gelassen haben im Kampf für die Unabhängigkeit Irlands werden namentlich genannt. Es gäbe noch so viel zu erfahren, aber die Zeit und die Geduld der Kinder reichen nicht aus um alles zu lesen. Gestärkt, bewegt und etwas belesen steigen wir wieder ins Auto.


Wir fahren weiter in südwestlicher Richtung. Die Landschaft ändert sich. Aus den sanften Hügeln sind Berge geworden, deren Kuppen heute in den tiefhängenden Wolken verschwinden. Ich fange an den Grüntönen Namen zu geben: blasses Dunkelgrün bei Bewölkung. Helles Hecken-gelbgrün. Auf der Stadt- Autobahn von Cork kann man durchaus mal von dichtem Verkehr sprechen. An der Autobahnabfahrt bezahlen wir brav unsere Maut (geht per Kartenzahlung). Die Landstraße sieht aus wie frisch in den Felsen gehauen. Wir werden an unseren Urlaub auf Teneriffa erinnert. An den Hängen erstreckt sich eine Wiesenlandschaft, die zunehmend felsig durchsetzt ist. Gelber Ginster und purpurnes Heidekraut blühen in der nun schrofferen Landschaft. Die Kinder quasseln auf der Rückbank, machen Pläne für den Zoo, den sie später mal zusammen betreiben möchten. Sie streiten sich ein bißchen, welches Tier in welches Gehege kommen soll. Die leichte Übelkeit vom Morgen ist vergessen (Schoko- Muffins mit extra Nutella bestrichen und Kakao…!)

Fuchsien, bekannt aus Omas Balkonkästen, wachsen hier überalll wild

Montbretie (hab ich nachgeschlagen!) wächst ebenfalls wild und gibt der Pflanzenwelt etwas Exotisches

Je weiter südlich wir kommen, desto mehr bekommt die Pflanzenwelt etwas Exotisches. Fuchsie und Montbretie wachsen hier wild am Straßenrand. Die Einfahrten zu den sporadischen Grundstücken werden von Palmen begrenzt. Und dann kommt das erste Mal die Bucht von Kenmare in Sicht.

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