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Reiseblog

Strandtag

Bei Flut lässt es sich gut schwimmen – bei Ebbe eher weniger

Am ersten Morgen am Ring of Kerry gönnen wir uns nochmals Hotel-Frühstück vom Buffet. Wir müssen erst Einkaufen gehen, um mit der Selbstversorgung zu starten. Aber das hat Zeit für später. Ich möchte heute gern auf vertrauten Pfaden wandeln und nach Caherciveen fahren, wo wir damals ein wunderschönes Bed and breakfast hatten mit Meerblick aus dem Frühstücksraum; gern auch ein Foto vom Haus machen und an die Freunde von damals schicken. Und gab es dort nicht auch diesen wunderschönen Strand in einer Bucht? Das habe ich mir schon seit dem Flug ausgemalt, wie wir hier mit den Kindern einen ganzen Tag spielen, planschen und nach Muscheln suchen könnten. Ein Blick auf google maps verrät uns, dass Caherciveen eine Stunde Fahrt entfernt ist, obwohl es gerade mal auf der anderen Seite der Halbinsel liegt! Die noch bekanntere Halbinsel Dingle, die ich auch auf jeden Fall besuchen wollte, ist sogar zwei Stunden entfernt! Wieder trifft Ritter Robert mit seiner nüchternen Art den Nagel auf den Kopf: „Lass uns doch einfach zum nächstgelegenen Strand fahren, die werden doch alle schön sein!“ Sehe ich ein. Das Foto muss warten. Noch ein Blick auf die Karte zeigt uns einen hübschen Strand, der immerhin auch eine halbe Stunde Fahrt entfernt liegt.

Los geht’s, wieder auf dem Ring of Kerry. Die Aussichten werden mit jeder Kurve schöner. In einem Campingplatzladen erstehen wir eine Teleskop- Angel zum kleinen Preis für Frodo und ein kleines Sandspielzeug- Set für die Elfe. Ich finde außerdem ein hübsches Mal- und Aktivitätenbuch für Kinder über die irische Tier- und Pflanzenwelt der Küstenregionen.

Am Derrynane Seashore Nature Trail

Vom strandnahen Parkplatz aus laufen wir bepackt mit unseren Strandsachen auf dem Derrynane Seashore Nature Trail. Eine flache Graslandschaft wächst in die sandige Bucht hinein. Kaninchen haben hier viele Höhlen und Gänge gegraben. Zum Entsetzen der kleinen Elfe entdecken wir auch ein gerissenes Kaninchen. Sie weiß, dass Reineke Fuchs dahinter-stecken könnte. Trotzdem, ein zerpflücktes Kaninchen ist eben bemitleidenswert für ein kleines Mädchen, auch wenn es unterirdisch noch hunderte mehr gibt. In der Graslandschaft zeigen sich immer mehr Wasserlakunen je näher wir dem Meer kommen. Wir kommen uns vor wie in einem Moor.  

Am Derrynane Beach

Die Grasfläche zieht sich eine Anhöhe hinauf. Wir sind jetzt oben auf der Düne angekommen und haben endlich Blick aufs offene Meer. Meer oder weniger. Es ist Ebbe. Das Wasser hat sich etwa einen halben Kilometer zurückgezogen. Der helle Sandstrand zieht sich in einer hübschen Bucht bis zum nächsten grünen Landzipfel. Große runde Felsen liegen wie hingestreut in der Bucht verteilt (was nicht ganz falsch ist, da sie dort wahrscheinlich beim Rückzug der Eiszeit niedergeplumpst sind.) Vor der Düne pfeift es ordentlich. Den ständigen Küstenwind hatte ich seit der Abreise von unserer Küsten-Wahlheimat noch nicht vermisst. Die Düne bildet hier vorn einen Zipfel und wir klettern hinter sie an die windabgewandte Seite. Wir schauen von hier aus in Richtung der grünen Hügel auf der anderen Seite der Bucht, die nun allmählich von den sich langsam auflösenden Wolken freigegeben werden. Wir breiten unsere Decke aus. Die wenigen anderen Spaziergänger mit Hunden laufen an uns vorbei, sie laufen lieber vorn am Strand. Wir haben die Bucht mehrere Stunden so gut wie für uns allein. Es ist fast ganz still. Die Kinder beschäftigten sich lange Zeit selbst: in den verbliebenen Wasserpfützen der riesigen Sandfläche, die erst heute Abend wieder von der Flut überspült sein wird, bauen sie ein Aquarium. Sie besiedeln es mit allem Lebenden, was sie so finden. Im Küsten-Entdecker-Buch machen wir heute Häkchen bei kleinen Garnelen, Krabben, Sandspringern und grünen Meeresalgen. Zwischendurch kommen die Kids immer mal angeflitzt und schenken uns schöne Muscheln. Was sind wir doch reich. Auch die Freunde zu Hause werden bedacht.

Napfschnecken, Bewohner der felsigen Küste

Schließlich treibt uns der Hunger wieder nach oben. Der Strand hat sich am Nachmittag gefüllt, also mit Menschen und mit Wasser. „Bei Flut lässt es sich gut schwimmen – bei Ebbe eher weniger.“ Da ist was dran, lieber Frodo. In den kleinen rock pools auf den Felsen findet er auch noch die limpets, Napfschnecken, die sich mit ihrem starken Saugfuß am Felsen festhalten. Nur ab und zu „grasen“ sie etwas auf dem Felsen, um sich dann wieder auf „ihrem“ Fleck festzusaugen bevor die Flut sie wegspülen kann oder eine Möwe sie ausschlürft.

In einer Bar im shabby look oberhalb des Strandes bekommen wir warme Käsetoasties und Limonade. Auf unserem Rückweg zum Auto finden wir uns plötzlich in einem verwunschenen Wäldchen wieder. Wo einen die Füße so hintragen. Die Kinder entdecken die Feenhäuschen zuerst. Mit viel Sorgfalt suchen sie ihre schönsten Muscheln heraus und lassen sie für die Feen zurück. Beide Kinder haben gerade einen Wackelzahn. Ob die Zahnfee hier auch ein Sommerhäuschen hat? Vielleicht erhält sie die Botschaft.

Auf einmal entdecke ich einen Farnbaum und bleibe wie angewurzelt stehen. Die gibt es doch nur im subtropischen Regenwald!? Wir entdecken noch mehr subtropische Pflanzen. Wir sind mitten in einer Südamerika- Pflanzung gelandet. Da war doch was mit dem warmen Golfstrom und dem Süden Irlands… Wir folgen noch ein wenig den gewundenen Pfaden („Das ist ja ein Ver-Irr-land!“) durch die Gartenanlagen des Derrynane House und landen schließlich wieder am Auto.

Auf der ganzen Strecke zurück zur Ferienwohnung gibt es keinen Supermarkt zu entdecken. Wahrscheinlich gibt es auf der ganzen Halbinsel keinen, sondern erst wieder in Kenmare. So machen wir nur einen kleinen Einkauf fürs Frühstück im Lädchen im Ort. Für das Abendessen gehen wir in eines der Restaurants am zentralen Platz des Ortes. Die Kinder ziehen uns in jenes an der Ecke, wo sie die (noch) lebenden Hummer im Wasserbecken beobachten können. Nach fish and chips und einer Runde Guiness fallen wir abends frischluftmüde ins Bett.

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