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Reiseblog

Wandertag?!

Mit dem Einfach- drauf- los- Wandern ist das in Irland so eine Sache…

Zum ersten Mal in diesem Urlaub ist vom frühen Morgen an schönes Wetter. Das heißt, die Sonne scheint an blauem Himmel. Das löst bei mir immer Unternehmungszwang aus. Das schöne Wetter MUSS genutzt werden! Hochmotiviert ziehe ich mir die Wandersachen an. Am liebsten würden wir mal einen der Berge in der Umgebung erobern, deren Kuppe man heute sogar sieht! Der Berg, den wir landeinwärts von unserer Unterkunft aus sehen, sieht irgendwie machbar aus. Von hier unten. Aber etwas mehr Information brauchen wir schon. Der Wanderführer Irland, den ich von zu Hause mitgebracht habe, ist zu grob in seiner Skizze dieser Gegend. Er beschreibt nur den Kerryway, die fußläufige Alternative zum Ring of Kerry. Diesem folgend, müsste man kurze Abschnitte auf der Landstraße laufen. Das werden wir mit den Kinder lieber nicht machen.

Der Typ an der Rezeption hat auch gerade besseres zu tun als einer Orts-nicht-ansässigen die Schleichwege zu erklären und klemmt gewichtig den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter um die nächste Buchung aufzunehmen. Er drückt mir noch ein verstaubtes Blatt aus dem Büro und einen Flyer in die Hand. Er will mich sichtlich loswerden. Ich überlasse ihn seinen wichtigen Angelegenheiten und setze mich auf das Sofa in der Lobby. Das staubige Blatt zeigt auch nur eine grobe Skizze der Umgebung des Hotels. Hat außer mir wahrscheinlich noch nie einer danach gefragt. Der Flyer ist von einem Wanderguide, den man kontaktieren könnte für eine gemeinsame Wanderung. Der Hotel-Hund kommt kurz angeschnuppert, hat zur örtlichen Geographie aber auch nicht viel beizutragen. Oder sollen wir doch besser einen Bootsausflug machen heute? Die ersten beiden Touren, die ich im Internet checke, sind ausgebucht für die nächsten Tage.

Grübelnd gehe ich erstmal in die Ferienwohnung zurück. Die Kinder spüren unsere Unentschlossenheit, langweilen sich und fangen an Blödsinn zu machen. Ritter Robert und ich einigen uns schließlich auf einen Ausflug zum Staigue Fort und wir wollen probieren „von dort aus loszulaufen“. Wir laden noch schnell eine Wander-App herunter und fahren mit dem Auto los.

Das Staigue Fort

Das Staigue Fort ist ein sehr gut erhaltenes (wenn auch restauriertes) Ringfort und wurde möglicherweise schon vor Christi Geburt errichtet. Innerhalb der kreisrunden Steinmauer hat sich zu jener Zeit wohl eine wohlhabende Familie geschützt. Wie auch die anderen Besucher dieses Ortes laufen wir einmal hindurch, oben drüber und unten drunter durch. „Guck mal eine zweitausend Jahre alte Butterblume“, witzelt Frodo. Naja, der Respekt vor der Zeit kommt wohl erst mit dem Alter. Es ist inzwischen schon Mittagszeit geworden und wir essen unsere Käsebrote an diesem heiligen Ort.

Dann sehen wir uns um, wo man vielleicht hinter dem Fort noch höher auf den Berg hinauflaufen könnte. Uns umgeben steile Hänge, die mit etwa kniehohen Gras- und Ginsterpflanzen bewachsen sind. Ein Weg oder Pfad ist nicht sichtbar. Weiter oben sehen wir immer wieder Stacheldraht oder Zaun im Gelände, der wohl Weideflächen teilen soll. Mit dem Einfach- mal- drauf- los- Wandern ist es in Irland so eine Sache. In Reiseblogs hatte ich gelesen, dass es in vielen Regionen nur wenige befestigte Wanderwege mit Weg-beschilderung gibt. Die meisten Flächen, ob im Wald, am See und vor allem die vielen Weideflächen gehören „irgendwem“. Man muss also fragen, ob man Land betreten darf. Und dann würde man immernoch über eine felsige Weidefläche stiefeln und sich den Weg selber mit Kompass suchen müssen. Nee, dafür fehlt uns die Erfahrung und bei manchen von uns die Körperlänge.

White Sands? – Wer hat das denn benannt?

Mit dem Wandern wird das heute nichts. „Lass uns einfach zum Strand fahren“, sage ich ernüchtert. Auf dem schmalen Weg nach unten zur Hauptstraße setzen wir bei einer Bodenwelle kurz mit dem Unterboden des Autos auf. Es folgt ein Geräusch, als ob Plastik über den Boden schrammt. Ritter Robert geht in die Eisen. Als er das Auto von unten inspiziert, sieht er, dass sich die Verkleidung der Unterseite vorn etwas gelöst hat. Ritter Robert greift einmal unter die Kutsche und drückt die Plaste beherzt wieder an. „Naja, wird schon halten“, lacht er etwas verkrampft und geht vermutlich im Kopf die Klauseln des Auto-Mietvertrags durch.

Wir probieren es mit dem Baden gleich unterhalb der Hauptstraße bei „White Sands“. Der Name ist hier nicht Programm. Ok, man könnte zwischen den Felsen durchklettern und kurz ins Meer springen, aber so ganz für einen Nachmittag am Strand lädt die Stelle nicht ein. Oh no. Und dann wird auch noch am Strandeingang auf einem Schild vorm Petermännchen gewarnt. Von diesem gemeinen Badespaß – Spielverderber hatte ich dieses Jahr schon einmal gelesen, da er auch an der heimischen Nord- und Ostseeküste zu finden ist. Zu guter letzt löst sich auch noch ein Teil meiner Sandale ab, meine liebe, treue Wandersandale, die mich schon Vulkane hinaufgetragen hat. Die Kinder sind super genervt, da sie hofften, dass es nun „wenigstens mal mit Baden losgeht“. Och nö, alles doof heute. Will mich hinsetzen und dickschen.

Aber wir sind ja reife Erwachsene, die jede Situation emotional und inhaltlich relativieren können, sogar im Urlaub, und auch bei momentaner Überwältigung immer in angemessener Weise ihre Gefühle zum Ausdruck bringen und dann untertiteln für die Kinder. Wir erklären also liebevoll den jammernden Kinder die Umstände („Jetzt stellt euch nicht so an! Wir müssen halt nochmal ein Stück weiterfahren.“), packen unseren ganzen Strandkram wieder zusammen und fahren zu dem Strand, an dem wir schon am ersten Tag in Kerry waren.

Nachmittags um vier haben wir uns schließlich gefunden an diesem Tag und sitzen mit anderen Strandbesuchern entspannt in der Sonne. Das Meer ist eiskalt und es geht ein straffer Wind am Wasser. Nur unsere Männer trauen sich schwimmen zu gehen. Wir Mädels spielen Quartett Karten auf der Decke. Mein Blick streift die grüne Landzunge, auf der man die Ruine einer Abbey sieht. Ich stelle mir die Mönche vor, die dort vor 1400 Jahren mit langen Kutten bekleidet das Wissen und die Lehren jener Zeit niederschrieben und zeichneten. Wie sie von Fleisch und Milch ihrer Tiere und dem Gemüse aus ihren Gärten lebten, von Fisch und Muscheln aus dem Meer. Das Meer, ein bedrohlicher Ort, der schon viele Seemänner verschlungen hat. Im Vordergrund Menschen des 21. Jahrhunderts, nackt, nur mit etwas Plastik bekleidet, des Schwimmens mächtig, werfen sich einfach so zum Spaß in ihrer Freizeit ins Meer. Sie leben von, naja, allem möglichem.

Abends kehren wir noch einmal bei Patricia ein auf fish and chips bzw. kleine sea food platter und Lamm. Als alle Gäste für den Moment versorgt scheinen in dem kleinen Restaurant, setze ich mich mit meinem Cider zu Patricia an die Bar. Ich frage sie nach den Bootstouren in der Bucht, ob sie irgendwas empfehlen kann und was es sonst noch so zu unternehmen gibt in der Nähe. Sie überlegt kurz und meint dann „Why don`t you give Jackie a call?“ Ja, so macht mir Urlaub Spaß: there is a guy who knows a guy… Sie gibt mir die Telefonnummer von Jackie, dem örtlichen fisherman, der sein Boot an einem Steg nicht weit von hier hat. „Nicht weit von hier“, „eigenes Boot“ und „fisherman“ sind genau die Stichworte, die ich gesucht habe. Ich erreiche ihn an diesem Abend nicht direkt, hinterlasse aber eine Nachricht. Am nächsten Tag wird er mich zurückrufen und dann haben wir ein date: Er wird uns in den kommenden Tagen mit seinem Fischkutter mit raus auf die Bucht bzw. aufs Meer nehmen, Tiere mit uns spotten und wir werden mit seiner Ausrüstung angeln!! Can`t wait!

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