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Reiseblog

Killarney Nationalpark I

Malerische Ausblicke

Die Urlaubstage vergehen und es gibt noch so viel zu entdecken im County Kerry! Wieder erwartet uns ein sommerlicher Tag. Heute Morgen heißt unser Ritters-mann „Robert der Entschlossene“. Der Killarney Nationalpark ruft! Auch die Kinder spüren die andere Energie am Morgen, sind sogar halbwegs kooperativ beim Fertigmachen für den Ausflug. Ich lasse mich gerne mitziehen – solange sich alle in eine Richtung bewegen, wird es für alle einfacher.

Am Ring of Kerry landweinwärts

Wir folgen dem Ring of Kerry heute zum ersten Mal landeinwärts. Es geht in die Berge. Immer seltener sehen wir Häuser und Grundstücke. Die Straße führt uns entlang einer Bergkette, deren Hänge nur spärlich mit Gras bewachsen sind. Nach einer halben Stunde machen wir einen ersten Halt an einem Bergsee. Neben uns auf dem Parkplatz steht ein Camper mit holländischem Kennzeichen. Die Familie würmt sich gerade einer nach dem anderen aus dem Schlafbereich des Fahrzeugs. Der Vater putzt sich die Zähne vor dem Auto stehend mit Blick auf den See und die Berge. Ritter Robert und ich klettern auf einen kleinen Felsen am See und lassen den Blick schweifen. Wie sicher schon viele Städter vor uns an dieser Stelle philosophieren wir über die Schönheit und Erhabenheit der Natur; wie winzig wir doch sind zwischen diesen Höhen, wie klein und weit weg die täglichen Sorgen jetzt erscheinen, die sich in der Stadt so groß und wichtig anfühlen.

Blick ins Killarney Valley

Wir fahren weiter, schlängeln uns in Richtung des höchsten Punktes der Umgebung. Plötzlich öffnet sich der Blick in ein weites, grünes Tal zwischen hohen Bergen und einer Seenlandschaft in der Tiefe des Tales. Der malerische Ausblick kam so unerwartet, dass wir gleich einmal den nächsten Parkplatz verpassen. Die Straße windet sich nun wieder bergabwärts ins Killarney Valley und wird noch mehrmals Haltemöglichkeiten für Ausblicke in das zauberhafte Tal mitten im Killarney Nationalpark bieten. Beim nächsten Parkplatz halten wir, leider gleichzeitig mit einem Reisebus. Aber die Mitreisenden halten sich nicht lange auf (oder dürfen sich nicht lange aufhalten).  Am Aussichtspunkt halten sie höflich Abstand zueinander und bilden eine Reihe damit jeder sein Selfie oder Partnerbild vor dem wunderschönen Hintergrund machen kann. Danach noch schnell die Örtlichkeiten am kleinen Bergrestaurant gegenüber aufgesucht, wieder einsteigen, weiterfahren. Als der Reisebus verschwunden ist, machen auch wir ein paar Schnappschüsse.

Als wir tiefer ins Tal kommen, setzt die Bewaldung wieder ein. Bald wechseln sich knubbelige Eichen mit mächtigen Kiefern ab. Einige Bäume müssen wirklich sehr alt sein. Man bräuchte die Armlängen von zwei oder drei Erwachsenen um sie zu umfassen.

Es gab bis jetzt keine Schranken oder Kassenhäuschen, der Nationalpark ist jedem zugänglich. Dadurch drängen sich auch schon viele Autos auf den kleinen Waldparkplätzen. Am Torc Waterfall geraten wir kurze Zeit in eine „Parkplatzfalle“, bei der sich ein- und ausparkende Autos so verkanten, dass keiner mehr herein- oder herauskommt. Nachdem wir einen Parkplatz ergattert haben, folgen wir der Beschilderung Richtung Wasserfall. Also eigentlich folgen wir dem Menschenstrom. Mit den vielen anderen Besuchern aus aller Welt laufen wir den hübschen Waldweg hinauf. Rechts von uns hüpft ein Bach über sein Steinbett. Der Wasserfall kann nicht weit sein.

Wanderweg Richtung Torc Waterfall

Inmitten der Menschenmenge hat die Elfe Ems plötzlich ihren Milchzahn in der Hand. Der erste Zahnwechsel – was für ein Fest! Wir packen den kleinen Zahn sicher ein, um ihn heute Abend für die Zahnfee unters Kopfkissen zu legen.

Vor dem Wasserfall staut es sich. Wieder müssen alle ihr Familienfoto oder ihr Insta-gerechtes Selfie machen. I was here! Es sind keine Menschenmassen wie in Venedig um diese Zeit, aber trotzdem, ich kann die körperliche Nähe der vielen Menschen heute schlecht von mir abgrenzen. Wir halten uns etwas abseits am Bach unterhalb des Wasserfalls. Das kurze Warten wird von den Kindern gleich genutzt. „Lass uns einen Staudamm bauen!“, ruft Frodo seiner Schwester zu. Und schon haben sie Schuhe und Socken ausgezogen, stehen knöcheltief im Bächlein und stapeln lose Steine. Die Eltern lassen sich auf den großen Steinen nieder und setzen die Rucksäcke ab. Ein amerikanisches Paar sitzt unweit von uns und unterhält sich. Nach einer Weile fangen sie an zu vapen. Nee, echt jetzt? Darf man da eigentlich etwas sagen, wenn einen das stört? Hier versuche ich nur dem stechenden Kirschgeruch mitten im Wald zu entfliehen und setze mich noch weiter weg.

Als die Kinder etwas ausgespielt sind – sie könnten hier noch stundenlang Steine versetzen und den Lauf des Wassers spielerisch bestimmen – reihen auch wir uns ein vor dem imposanten Wasserfall für das Standard-Familienfoto (mindestens einer guckt doof, aufgesetztes Lächeln, unvorteilhafte Haltung, der eigentlich interessante Hintergrund unterbelichtet) und folgen dem Weg weiter nach oben.   

Torc Waterfall im Killarney Nationalpark

Viele Touristen kehren ab hier um und laufen zurück zum Parkplatz. Nur einige erklimmen die steile Steintreppe neben dem Wasserfall. Die Kinder, die in der Stadt über jeden Meter laufen jammern, nehmen mit einer Leichtigkeit die Treppenstufen und rufen nur „Mama, wo bleibst du?“. Mama kommt richtig aus der Puste hier. Stufe für Stufe, ein Fuß vor den anderen und atmen nicht vergessen. Wir sehen uns den Wasserfall noch im oberen Bereich an und laufen den gleichen Weg wieder herunter um von dort die nächste Killarney-Sehenwürdigkeit zu erobern.

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