Catch of the day: Mackerel
In diesem Beitrag wird das Angeln und auch das Aufschneiden von Fischen beschrieben und gezeigt.
Today is the day: wir gehen Fischen! Mit einem echten fisherman! Jackie hat unsere Verabredung auf eine Touristen-verträgliche Zeit gelegt: um 10Uhr treffen wir uns am Souvenirladen im Ort. Pünktlich halten wir mit dem Auto davor. Bald kommt ein Mann in einem Pick-up aus der entgegengesetzten Richtung angefahren und hält gegenüber des Ladens. Wir schauen uns aus den Autofenstern heraus an und ein gegenseitiges Erkennen blitzt in unseren Augen auf. Er lächelt und winkt in seine Fahrtrichtung, dass wir ihm folgen sollen. Robert dreht das Auto und los geht’s. „Fischer reden nicht viel“, weiß Abenteurer Frodo. Bald biegen wir vom Ring of Kerry ab auf eine schmale Straße Richtung Kenmare Bay und halten schließlich direkt an einem Kai am Wasser. Als wir ausgestiegen sind, begrüßen wir uns mit Handschlag. Ein rundum sonnengebräuntes, wettergegerbtes Gesicht schaut mich an. Seine blauen Augen funkeln frech unter der Sonnenkappe hervor. Jackies Alter ist schwer zu schätzen: vielleicht 70 Jahre? Oder sogar älter?

Große Vorreden schwingt unser fisherman tatsächlich nicht. Gleich ist er geschäftig mit Ausrüstung zu Gange. „Wait here, I`ll pick you up.“ Dann kommt er von der anderen Kai-Seite mit einer Schaluppe mit Außenbordmotor angefahren. Ooookaaayyyy, denke ich. Fahren wir damit jetzt raus aufs Meer? Alleine steige ich ja noch in vieles ein, aber mit Kindern? Und wo sind die Rettungswesten für die Nichtschwimmer unter uns? Mich verlässt doch etwas der Mut. Ich schicke noch schnell eine Nachricht an die Lieben daheim, mehr um mich selber zu beruhigen. Als er uns beim Einsteigen helfen will, frage ich schüchtern, ob er denn Rettungswesten für die Kinder habe. Oh jaja, meint er, die hat er auf dem Boot. Ah, denke ich. Es gibt also noch ein anderes Boot. Ich suche die Bucht mit den Augen ab: es wird wohl der Fischkutter da hinten sein. Und das hier ist unser shuttle zum Kutter.



Als wir alle Platz genommen haben auf den Sitzplanken düsen wir mit der Schaluppe los. Meine Nase richtet sich nach vorn aus in Fahrtrichtung und zieht scharf die salzige Meeresluft ein. Mein Körper passt sich den Wellenbewegungen an. Ich bin auf dem Wasser: alle meine Instinkte sind eingeschaltet. Jackie navigiert die Schaluppe längs zum Fischkutter und macht uns fest. Wir steigen um auf den betagten Fischkutter. Dort bekommen wir auch Rettungswesten für die Kinder und ich bin etwas beruhigt. Ein Schleppnetz oder etwas ähnliches sehe ich nicht. Jackie hat etwa fünf klassische Angeln dabei. Bei manchen sind mehrere Haken im Pater-noster-Prinzip übereinander an der Angelschnur verknotet. Sie sind mit einfachen Schwimmern oder Blinkern bestückt. Außerdem hat er noch einen Eimer Garnelen dabei. Wahrscheinlich ist das der Köder heute? Wieder bemüht sich Jackie nicht um lange Erklärungen. Er geht vertrauten Handgriffen an Bord nach, während wir uns auf den Sitzflächen auf dem Kutter einreichten. Dann stellt sich Jackie hinters Steuerrad und wir tuckern los, immer weiter weg vom Ufer. Bald folgt eine Möwe unserer Heckwelle. Sie kennt wahrscheinlich das Tuckern des Bootes und den Geruch der Dieselabgase und weiß, dass in der Nähe dieses Objektes früher oder später ewas zu holen ist.



Wir sind noch keine 5min motort, da frage ich die Kinder: „Wer kann mir ein großes Säugetier zeigen?“ „Schaaafffeeee“, antwortet Frodo, der Naturkenner, gelangweilt. „Ja, aber eines, was auch im Meer lebt?“ Da schauen sie genauer hin: da vorne auf einem kleinen runden Eiland teilen sich zwei Robben ihren Ruheplatz mit Möwen und Kormoranen. Ihre fleckige Fellfarbe tarnt sie wirklich gut auf Felsen, die ebenso fleckig sind von Algen- und Flechtenbewuchs. Aber mit etwas Übung entdeckt man in der Bucht immer wieder an der Uferlinie diese dicken Würste, die hinten spitz zulaufen. Wir fahren lange in die Bucht raus. Oder fahren wir weiter hinein, weg vom offenen Meer? Wir sehen Felsen und Uferlinien in verschiedene Richtungen, ich habe keine echte Orientierung mehr. Frodo schaut aufs Wasser uns gibt sich der Wellenbewegung hin. Die kleine Elfe wird nach einer Weile quengelig. Hunger? Pipi? Kalt? gehe ich die Möglichkeiten durch. Die Elfe ist bis jetzt noch in allem, was gleichmäßig schaukelt, eingeschlafen. Ich denke, sie ist müde. Sie nestelt sich auf meinem Schoß ein und die Äuglein werden schmal. Vor einer Felsendurchfahrt steuert Jackie das Boot längs zu den Wellen und das Boot beginnt ordentlich zu schaukeln. Er lässt den Motor laufen und verlässt das Steuerrad. Wir Landratten sehen uns etwas verängstigt an. Jackie merkt davon nichts, er bewegt sich sicher an Bord und beginnt die Angeln vorzubereiten. Eine Angel nach der anderen wirft er aus und lehnt die Ruten gegen die Bootswand. Abwechselnd nimmt er sie zur Hand, macht nur einige sanfte, federnde Bewegungen nach oben und unten. Die Schnur ist auf vielleicht 5m Schnurlänge abgespult, schätze ich. Schon nach kurzer Zeit entscheidet er, dass es an dieser Stelle nichts wird und holt die Angeln wieder ein. Wir fahren zu einer anderen Stelle. Dieses Spiel wiederholen wir noch mehrmals. Bald werfen wir selbst die Angeln aus und machen alles genau so nach wie Jackie es uns zeigt. Aber wieder holt Jackie nach kurzer Zeit die Angeln ein. Robert und ich sehen uns fragend an, Frodo wird langsam ungeduldig.



An der vierten Angelstelle ruft Frodo plötzlich „Da ist was!“ Dann geht auf einmal alles ganz schnell. Jackie hilft die Angel einzuholen und tatsächlich: Frodo hat einen dicken Fisch an der Angel! Mit einem Mal sind alle wieder wach an Bord. Ich möchte coole Fotos von jedem einzelnen Schritt machen, doch das Boot schaukelt ordentlich, ich habe zur Sicherheit eine Hand an der Elfe und selbst noch eine Angel im Wasser und traue mich keine Hand loszulassen. Zung! Schon spannt sich Roberts Angelschnur! Auch Robert soll die Angel einholen und wieder ist ein ordentlicher Fisch dran, Jackie hilft beim Einholen und beim Abheben des Fisches vom Haken. Noch währenddessen merke ich wie mir die Angel fast ins Wasser gezogen wird, ich muss nun mit beiden Händen gut gegenhalten. Ich schaue fragend zu Jackie. Er nickt nur, das Zeichen, dass ich die Schnur einholen soll. Jippiiieh! Auch ich habe einen Fisch gefangen. Ich hole die Schnur fast ganz ein und probiere den zappelnden Kerl ans Bootsdeck zu schleudern. Die Stimmung ist jetzt ausgelassen und euphorisch an Bord. Jackie fährt uns noch an eine andere Stelle, etwas geschützt vor einem Felsen. Auch an dieser Stelle holen wir noch zwei Fische aus dem Wasser. „How did you know…?“ beginne ich die Frage. Er lächelt nur, macht eine vage Handbewegung über die Gegend. „Been fishing here for years.“ Nachdem der Fang gesichert ist, beginnt Jackie die Navigation Richtung Heimathafen. Jetzt ist Zeit für small talk. Auch unser fisherman wirkt sichtlich zufrieden, freut sich für uns, dass wir mit einem guten Fang nach Hause kehren.



Als der Kutter wieder an der Boje neben der Schaluppe festgemacht ist, betrachten wir gemeinsam unseren heutigen Fang. Die großen Fische heißen irgendwas mit „white…“ wir verstehen es leider nicht richtig. Die buntschillernden, etwas kleineren Fische sind Makrelen. Wir fragen nach Tips für die Zubereitung. Jackie erklärt wie man die Fische einfach mit etwas Butter in der Pfanne anbrät. Als ich noch mit den Händen andeutend frage, wo die Schnitte zumachen seien, holt er kurzerhand sein Fischermesser und ein Brett heraus, trennt die Köpfe der Fische ab, gefolgt von einem Bauchschnitt und er entnimmt die Innereien. „Give it to the birds“, sagt er zu Frodo und deutet auf die Reste, die wir Menschen nicht verwerten werden. Die Geduld der Möwe, die uns bis hierher zurück gefolgt ist, hat sich gelohnt. Er schüttet uns außerdem noch die Garnelen in unser rosa Sandeimerchen. Unsere Angel- Lektion für heute: Wenn man Angeln geht, am besten einen Eimer oder einen Beutel für den Fang mitnehmen, falls man tatsächlich etwas fängt!
Fröhlich bedanken wir uns bei Jackie. Wir sind drei Stunden draußen gewesen, wir geben ihm den Geldbetrag, den er gefragt hatte. Am Nachmittag braten wir die Fisch in der Pfanne und essen Broccoli und Reis dazu. Die Makrele finden wir alle vier köstlich, sehr aromatisch!! Auch das Fleisch des weißen Fisches schmeckt gut, erinnert an Kabeljau. Äußerst zufrieden strecken wir die Beine unter den Tisch und streichen uns über die runden Bäuche, gefüllt mit selbstgefangenem Fisch.

Am Nachmittag verteten wir uns die Beine bei einem Spaziergang um den Ort Sneem. Hier bildet der River Sneem in seinem Mündungsbereich eine sumpfige Landschaft mit viel Schilf, die Schutz und Nahrung bietet für Otter, Seehunde, auch den Dachs und viele wasserliebende Vögel wie Kiebitz, Kormoran und Brachvogel. Auch Zugvögel aus dem Norden überwintern hier.









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