we are on the road

Reiseblog

Kylemore Abbey

Nachts heult der Wind ums Haus. Am Morgen ist es immer noch sehr windig und Regen wird gegen die Fensterscheiben gepeitscht. Die Kinder würden am liebsten den ganzen Tag drinnen verbringen. Ich wittere Stubenkoller. Außerdem bin ich zuversichtlich, dass das Wetter – wie bisher jedesmal – im Laufe des Tages besser wird. Ich schlage vor die Kylemore Abbey zu besuchen. Als ich noch etwas von Ponies füttern und Schokolade verkosten nuschele, kann ich doch alle überzeugen.

Als wir auf dem riesigen Parkplatz vor Kylemore Abbey ankommen, wird der Regen bereits weniger. Erst als wir direkt davor stehen, sehen wir durch die tiefhängenden Wolken, dass sich ein steiler Berg vor uns auftut, dichtbewachsen mit Bäumen aller Art. Die Luft ist so gesättigt und dampfend, dass es wie im tropischen Regenwald anmutet.

Kylemore Abbey

Die Kylemore Abbey hat eine interessante Geschichte um einen Großindustriellen, der hier Ende des 19. Jahrhunderts zwar in Saus und Braus lebte, damit aber viele stabile Arbeitsplätze schuf und gut für seine Angestellten sorgte. In neuerer Zeit beherbergte die Abtei ein Mädcheninternat für „höhere Töchter“ aus dem In- und Ausland und eine Mädchenschule für Mädchen aus der Region. Heutzutage wird ein Teil der Abbey von Schwestern des Benediktinerordens bewohnt. Jene sind es auch, die eine kleine Schokoladenmanufaktur betreiben. Inzwischen ist die Kylemore Abbey und das umliegende Gelände perfekt infrastruktuiert um täglich Massen an Touristen durchzuschleusen. Die Schokolade der Benediktinerschwestern sowie andere angeblich hier hergestellte Produkte wie Marmelade kann man dann auch überteuert im Shop am Ausgang kaufen.

Na ihr Hübschen? – Connemara Ponies

Im Café werden unsere Lebensgeister wieder geweckt nach einer Schale heißem Stew bzw. einem Stück Lachsquiche. Pünktlich zum Beginn unserer Besichtigungsrunde hört es auf zu regnen. Mit dem Shuttlebus lassen wir uns zum ersten Höhepunkt schuckeln: Wir wollen die Ponyfütterung nicht verpassen. Drei reinrassige Connemara Ponies lassen sich von einer Tierpflegerin mit Futter an den Zaun locken.

Wanderwege auf dem Gelände um die Kylemore Abbey
Der Klostergarten von Kylemore Abbey
Riesige Rhododendronsträucher – leider invasive Eindringlinge

Nach dem kleinen Spektakel folgen wir den Rundwanderwegen auf dem Gelände. Sie führen uns auch in den Klostergarten. Heute vorallem optisch ansprechend mit prächtigen Pflanzen für die Touristen, bot er zu damaliger Zeit exotische Früchte, die in Irland noch kaum zu finden waren sowie Gemüse als Nahrungsmittel in schlechten Zeiten. Wir laufen weiter auf den Waldwegen und lassen damit die meisten andern Touristen hinter uns. Viele Bäume sind bis hoch in die Wipfel von Moos bewachsen und zeugen von der ständigen Feuchtigkeit dieser Lage. Auf manchen Ästen sitzen Farne als Aufsitzerpflanzen. Ich finde auch die riesigen Rhododendronsträucher imposant. Ich lese aber, dass der Rhododendron hier invasiv wächst. Wie wir ja wissen wurde er aus Asien mitgebracht. Er ist giftig für die hiesige Tierwelt (das gilt auch für unsere Gärten daheim) und wir werden kein Bienchen oder andere einheimische Insekten auf ihm finden.

Am Dawson River

Der Rundweg führt uns weiter entlang des River Dawson, der von hunderten, kleinen Wasserfällen aus den umliegenden Bergen genährt wird. Im Fluss gibt es Lachse. Nach dem für sie bekannten Muster, werden sie hier im Fluss geboren und reifen. Während sie flussabwärts Richtung Atlantik wandern unterlaufen sie eine Anpassung von Süß- an Salzwasser. Nach einigen Lebensjahren im Ozean kehren sie zum Laichen wieder hierher zurück.
Auch Dachse soll es hier geben. Dachse seien manchmal auch für den Menschen gefährlich, meint der naturkundige Frodo. Die Kinder stellen sich vor, Papa wäre ein Monster – Dachs und will sie fressen. Kreischend rennen sie davon. Und wieder ist ein halber Kilometer Laufen geschafft. Inzwischen ist sogar die Sonne herausgekommen und wir genießen diesen wunderschönen Waldspaziergang unter riesigen Zedern und knotig gewundenen Eichen.
 

Am Ende der Runde sehen wir uns noch die Abbey von innen an. Die Kinder drängen die ganze Zeit, wo denn jetzt die Schokolade sei. Es gibt nur ein winziges Schaufenster zur Manufaktur, hinter dem gerade nichts passiert. Vorm Ausgang im Shop gönnen wir uns dann natürlich etwas von der Schokolade.

Hinterlasse einen Kommentar