360 Grad Rundumblick und Skellig Islands
Am letzten Tag in Kerry wollen wir den Ring noch einmal von seiner schönsten Seite genießen. Wir fahren auf dem Ring of Kerry im Uhrzeigersinn um die südwestliche Spitze der Halbinsel. Unser Tagesziel ist Valentia Island.



Im Abschnitt zwischen Caherdaniel und Waterville scheint die liebliche Landschaft nach jeder Kurve aufs Neue ergreifend. Zum Leidwesen der Kinder stoppen wir mehrmals an Haltebuchten um den Ausblick zu genießen. Auf sanften, grünen Hügeln wechseln sich Weiden mit Feldern ab, getrennt durch niedrige Steinmauern. Hier und da verstreut sieht man ein Gehöft an einer Feldergrenze. Wenn gleich ein Hobbit mit Wanderumhang und Wanderstock barfuß an uns vorbeigelaufen käme und freundlich grüßte, ich würde mich kein bißchen wundern. Die hügelige Landschaft fällt zum Meer hin flach ab oder endet über einer steilen Klippe dramatisch über dem Meer. Im küstennahen Wasser liegen Felsen oder ragen kleine Inselchen aus dem azurblauen Meer. Südlich von uns sehen wir noch die Ausläufer der Halbinsel Beara, in westliche Richtung schauen wir auf den offenen Ozean.
Wir fahren durch Waterville. Es scheint eine kleine Touristenhochburg zu sein. Am Strandboulevard sind einige Fahrgeschäfte aufgebaut. Wie immer scheint die Geschäftigkeit aber erst am Nachmittag zu beginnen. Um Valentia Island zu erreichen müssen wir nur noch über die Brücke hinter Portmagee fahren. Den kleinen Hafen in Portmagee habe ich noch gut in Erinnerung – hier sind wir damals mit dem Boot gestartet für einen Ausflug zu den Skellig Islands.


An die Brücke hinter Portmagee schließt sich eine steile Bergstraße an. Wir sind nun auf Valentia Island angekommen, die als Berg aus dem Meer ragt. Wir machen Halt an einem Parkplatz. Die rostfarbene Stange mit dem Zickzack am Ende zeigt uns, dass wir an einem Aussichtspunkt des Wild Atlantic Way stehen. Robert zeigt auf einige Inseln am Horizont, ob das nicht die Skellig Islands wären. Neeeeee, mache ich anfangs noch ganz überzeugt. Die sind viel zu weit draußen um sie von hier zu sehen und bei wie immer nebligem Wetter…Moment. Es ist heute sonnig und warm und wir haben eine fantastische Fernsicht. Ich sehe mir die Felsen dort draußen im Atlantik genauer an und erkenne die charakteristische Form: ein hoher, zackiger Fels und daneben eine etwas breitere Felsinsel mit weißen Kuppen: Es sind die berühmten Skellig Islands!
Ja,ja, das sind sie, bestätigt eine Dame hinter uns, die uns wohl reden gehört hat. Sie komme aus Dublin, habe aber unter anderem Sprachen in Deutschland und Frankreich studiert, bis es sie wieder nach Irland zurückgezogen habe. Sie berichtet, dass die Skelligs unheimlich populär geworden seien, seitdem sie Drehort von Star Wars waren. Gerade wartet sie hier auf die Rückkehr ihres Mannes. Er sei da draußen auf einem Ausflugsschiff unterwegs und besuche die Inseln zum ersten Mal. Sie selbst habe kein Ticket für diesen Trip mehr bekommen, alles ausgebucht. Das erschüttert mich, dass nicht einmal die Iren unkompliziert an Tickets für die Bootsfahrt kommen.



Ich erinnere mich an meinen Ausflug damals: Wir fuhren während unseres Familienurlaubes in einem Kutter von Portmagee etwa zwei Stunden übers Meer bei zeitweise Regen und Seegang. In einer Grotte am Rand der größeren der beiden Inseln, Skellig Michael, machten die Fahrer die Kutter fest. Über 600 Treppenstufen stiegen wir dann an dem felsigen Berg in die Höhe. Unterwegs sahen wir immer wieder die putzigen Papageientaucher, puffins. Auf einer Hochebene konnten wir Spuren der frühen Besiedlung durch Mönche ab dem 6. Jahrhundert sehen. Ihre Bienenkorbhütten, nur aus blanken Steinen gestapelt ohne Mörtel zur Befestigung, sind bis heute trotz der unwirtlichen Bedingungen auf der Insel erhalten geblieben. Sie sind ein Grund dafür, dass die Inseln den Titel Welt- UNESCO- Kulturerbe tragen. Soweit ich mich erinnere, hatten wir an jenem Tag keinen Blick aufs Meer um uns herum, nur schwarzen Fels auf der einen Seite der Treppen, Wolken und Nebel und die Vermutung eines Abgrundes an der anderen Seite. Durch Seegang, Wetter und Steigung auf der Insel ist es ein eher anspruchsvoller Ausflug. Bei schlechtem Wetter werden die Bootsfahrten ganz abgesagt. Die kleinere der beiden Inseln, Little Skellig, sieht aus, als wären ihre Spitzen dauerhaft mit Schnee bedeckt. Es ist allerdings eine dicke Schicht aus Vogelkaka. Hier lebt neben vielen anderen Vogelarten eine der größten Tölpelkolonien der Welt und die Insel darf nicht touristisch besucht werden.
Heute stehe ich wieder hier, die Sonne scheint mir warm ins Gesicht. Ich schaue in Richtung der Felsinseln, habe nun selbst Mann und Kinder, die mit mir diesen besonderen Ort besuchen. Einige Zeit bin ich überwältigt von Erinnerungen und Gefühlen.
Was wir noch besuchen werden in Irland, fragt uns die Dame vor dem Abschied. Dass wir noch einige Tage in Connemara verbringen werden, antworten wir. „Ooooh, you picked the most beautiful spots!”, sagt sie bewundernd. Wir grinsen ein bißchen verlegen und auch ein bißchen stolz. Dann verabschieden wir uns von ihr und fahren die steile Straße bis zur Geokaun mountain top hinauf, der höchsten Erhebung auf Valentia Island.

Für die Geokaun mountain top ist Eintritt zu bezahlen, aber das ist nur allzu verständlich. Die Bergkuppe bietet einen grandiosen Rundum-Blick von spektakulären Bergketten auf der irischen Insel, über den offenen Ozean bis hinüber zu den Skelligs und den Blasket Islands. Und wir Glückspilze erleben das an einem sonnigen Tag mit Fernsicht. Das Thermometer soll heute bis auf 24 Grad Celsius klettern. Die junge Frau in dem kleinen Kassenhäuschen kommentiert ehrfürchtig „Yes, we are blessed with todays´ weather.“ Sie erzählt, dass bereits bei diesen Temperaturen (vielleicht eine Woche lang im ganzen Jahr!) das öffentliche Leben am Nachmittag sozusagen zum Stillstand komme, da alle Richtung Strand oder in irgendeine Richtung strömen – Hauptsache nach draußen.



Wir laufen entlang des skypath und genießen die fantastischen Ausblicke, verweilen an Sitzgelegenheiten und lesen auf den kleinen Infotafeln über die hiesige Geschichte.

An diesem westlichen Zipfel Europas hat sich so einiges zugetragen. Von hier aus wurde das erste funktionierende transatlantische Telefonkabel verlegt. Außerdem gab es hier vor der Küste ein Schiffsunglück im Ausmaß ähnlich dessen der Titanic. Desweiteren kann man einen fossilen Fußabdruck eines Tetrapoden besichtigen, angeblich das älteste Fossil seiner Art der Welt (wir reden: vor den Dinos!).


Am Nachmittag fahren wir den Berg wieder hinunter bis in den Ort Knight´s Town und essen club sandwiches in einer Bar am Hafen. Eine Feriengruppe von Kindern und Jugendlichen tobt in wetsuits und mit Kayaks im Wasser. Auch unsere Kinder zieht es wieder zum Wasser. Es ist zwar das Hafenbecken, aber das Wasser sieht klar aus. Wir machen es den Einheimischen nach, die ebenfalls mit ihren Kindern im knöcheltiefen Wasser stehen und mit Kächern kleine Krebstiere fangen um sie zu betrachten und dann wieder freizulassen. Lange halten es die Kinder im eiskalten Wasser aus; wir sitzen auf einer Bank an der Mole und beobachten das entspannte, sommerliche Treiben. Für die Rückfahrt ins Appartment setzen wir über mit der Autofähre von Knight´s Town zu Reenard Point. Die Überfahrt dauert keine 5 Minuten. Ein toller Tag geht zu Ende und der Ring of Kerry wird uns in bester Erinnerung bleiben.

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