we are on the road

Reiseblog

Orientieren in einer wilden Landschaft

Am Vormittag erholen wir uns vom gestrigen Fahrtag. Heute darf alles mal etwas länger dauern. Nach dem Duschen kuschele ich mich lange in das flauschige Handtuch.

Mit einem Blick auf die Landkarte, einer kurzen Ausfahrt in den nächsten Ort zum Mittag und einem Spaziergang zum nächstgelegenen Strand am Nachmittag ist am Ende des Tages auch unsere Orientierung hergestellt:

Das, was auf der Fahrt hierher aussah wie ein Moor, ist tatsächlich ein Moor. Das, was aussah wie Berge, sind tatsächlich Berge: einen tollen Ausblick auf die Twelve Bens werden wir uns in den nächsten Tagen noch erwandern. Und schließlich das, was aussah wie Küste und Strand ist es auch. Die Küstenlinie ist hier sehr zerklüftet und es gibt unzählige Zugänge zum Meer in alle Himmelsrichtungen.

Am Abend stellt sich eine nette Dame als caretaker des Ferienhauses vor. Sie wohnt nur einige Häuser weiter und ist für uns eine Ansprechpartnerin, wenn irgendetwas fehlt. Ich fühle mich gleich wieder ein Stück aufgehobener. Wir haben bisher nichts auszusetzen, nur etwas fehlt gewaltig: Wir haben kein fließendes Wifi!!! Auch der Netzempfang auf dem smartphone ist nur spotty. Digital detoxing liegt ja im Trend, aber nicht in unserem! Letztlich ist eine Internetverbindung nun auch einmal praktisch um Ausflüge zu planen. Die ersten Beiträge dieses Reiseblogs hatte ich in den ersten Tagen des Urlaubs veröffentlicht. Ich bin etwas enttäuscht, dass ich das nicht fortsetzen kann. Gut, wir versuchen aus der letzten Urlaubswoche wirklich Urlaub zu machen und uns die nächsten Tagen „wie früher“ zurechtzufinden: einfach mal Leute anquatschen und Schilder lesen.  

Als ich die nette Nachbarin noch nach dem Weg zur Burgruine frage, schüttelt sie nur den Kopf: Die Ruine liegt auf dem Land eines örtlichen Bauern. Das Gelände ist also privat, wir müssten den Bauern fragen, ob wir Land betreten dürfen. Ob er seine Genehmigung gebe, sei wohl tages- und stimmungsabhängig. Wir fahren in den kommenden Tagen ein paar mal an der Einfahrt zu seinem Land vorbei: Das Tor zur Einfahrt ist jedesmal geschlossen und mit einem Kettenschloss verrammelt. Das wird wohl nichts.

Ritter Robert und ich hätten nun nach über zwei Wochen Familienurlaub auch gern mal wieder einen Abend nur unter Erwachsenen geredet. Draußen stürmt es und wir wollen es uns mit einem Glas Wein gemütlich machen. Nach dem bettfertig machen der Kinder ist die Elfe jedoch noch soooo wach. „Nur noch eben schnell“ will sie mir die Superkräfte von allen Paw Patrol Mitgliedern aufzählen. Während ich sie zudecke höre ich ihrer Aufzählung zu und betrachte dabei das kleine, liebliche Gesicht. Die Hände, die lebendig dazu gestikulieren, haben im letzten Jahr fast alles rundliche verloren. Wie groß sie schon wieder geworden ist und wie fein sie erzählen kann. Die Lider der großen, runden Augen mit den langen Wimpern werden jetzt doch langsam schwer. Der kleine Mund mit den zartrosa Lippen nuschelt noch etwas und ist der letzte Körperteil an der kleinen Elfe, der einschläft. 

Eine Antwort zu „Orientieren in einer wilden Landschaft”.

  1. Avatar von fascinatingab2a018cb2
    fascinatingab2a018cb2

    Ach das ist ja sooo schön geschrieben, besonders das Ende, ach das ich das noch erleben darf ich 🥲Ich hoffe, Du erhältst den Kommentar?–Gesendet mit der GMX Mail App

    Like

Hinterlasse einen Kommentar