Wandern am Diamond Hill
Zum krönenden Abschluss in Connemara brechen wir heute Morgen auf in den Connemara National Park. Wir wollen die Hügelkette Twelve Bens auch aus der Nähe erleben. Erwartungsgemäß teilen wir uns den Besuch mit vielen Sommertouristen. Die geparkten Autos stehen schon kilometerlang vor dem Eingang des Nationalparks am Straßenrand.

Der offizielle Eingang des Nationalparks bietet viel Infrastruktur zur Orientierung und für alles, was der Tourist so braucht. Die Wanderwege sind zur Abwechslung mal idiotensicher ausgeschildert. Wir wollen am berühmten Diamond Hill wandern. Gut, wir sprechen über gerade mal 442m ü. NN am peak. Aber es ist eben ein optisch deutlich herausragender Hügel in dieser Landschaft, einer der Twelve Bens.

Allmählich gewinnen wir an Höhe auf einem unkomplizierten breiten (barrierefreien) Schotterweg. Wir kommen entlang von Pferdekoppeln und Vegetation aus Sträuchern und Farnen. Wald gibt es hier nicht, weiter oben wirken die Hügel sogar erodiert. Dazu später.

An der Zwischenstation müssen wir uns entscheiden. Weiter dem familienfreundlichen blauen Weg folgen oder doch aufsteigen bis zur Spitze? Schaut man zum peak hinauf, sieht man eine lange Steintreppe als Aufstieg. Und jede Menge Touristenpopos, die alle im Gänsemarsch auf der schmalen Treppe auf- und absteigen. Wir bleiben auf dem blauen Rundweg auf dieser Höhe. Auch von hier haben wir schon einige tolle Ausblicke in die Landschaft und bis zum Meer.



Ritter Robert schaut etwas sehnsüchtig zur Bergspitze zurück, als wir abbiegen. Er weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass er in einem Jahr wieder hier sein wird und den Gipfel mühelos mit seinen Kumpels ersteigen wird.
Auf dem zweiten, leicht abschüssigen Teil der Wanderung ist es so schön zu sehen, wie die Kinder sich in diesem Urlaub einen richtigen Wanderschritt zugelegt haben. Sie stimmen sogar ein Liedchen an. Entspannt plaudernd laufen sie durch die Landschaft und die Sonne lacht mal wieder.



Zurück im Eingangsbereich des Nationalparks locken uns die engagierten volunteers in die kleine Ausstellung und den Naturfilm über Flora und Fauna des Nationalparks. Wir können uns gerade nichts Schöneres vorstellen, als uns bei diesem Wetter drinnen über die Millionen Jahre alte Geschichte vom Torfstechen zu informieren.
Aber im Ernst: Inzwischen wissen wir ja, dass auch die Moore eine große Bedeutung im Klimawandel haben: Sie sind riesige CO2-Speicher. Sie sind hier und andernorts in Tiefe, Ausdehnung und Komplexität dramatisch zurückgegangen. Dadurch wird viel CO2 frei bzw. kann auch weniger CO2 wiederaufgenommen werden. Auch in Connemara gehen die Moore stark zurück.

Torf entsteht bei unvollständiger Zersetzung von Pflanzenresten unter Luftabschluss in Feuchtgebieten. Vor Jahrtausenden wurden hier viele Wälder abgeholzt, die Hügel erodierten durch die hohen Niederschläge. Das haben wir gerade bezeugt. Die Menschen stauten die Niederschläge. Aus den Pflanzenresten und den gestauten Feuchtgebieten entstand in Irland ein riesiges Torfvorkommen². Wir kennen Torf als energiereiches Substrat im Garten oder als Brennstoff. Es gibt in vielen Regionen Europas Bestrebungen, den Abbau zu regulieren und Moore wieder zu bewässern.
Und noch ein interessanter Fakt dazu: Torffeuer wird in Schottland genutzt bei der Herstellung einiger Whiskey Sorten und prägt den typischen Geschmack dieser Sorten.
²https://de.wikipedia.org/wiki/Torf

Wir verlassen den schönen Connemara Nationalpark. Auf dem Rückweg folgen wir einem Schild, das Kaffee und Kuchen verspricht. Eine Niederländerin hat hier einen Foodtruck und Spielgeräte für Kinder auf ihrem Stück Land aufgestellt. Nach dem Kaffeeaufbrühen zeigt sie uns ihre staatlich geförderten Rasenmäher: Alle zwölf Esel stellt sie uns namentlich vor. Das von vielen Felsen durchsetzte Gelände ist landwirtschaftlich schwer nutzbar. Daher gibt es eine staatliche Förderung, wenn ein Landbesitzer die Fläche trotzdem unterhält, z.B. mit Weidetieren. Dann sieht es auch netter aus für die Touristen.

Abends feiern wir Abschied von der Region Connemara am Strand. Es ist wunderbar sonnig, aber eiskalt. Tschüss Connemara, du rätselhafte Landschaft.


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